Unfall - so verhalte ich mich richtig
Nicht nur
die FIS – Verhaltensregeln, auch das Strafrecht und nicht zuletzt
menschliches Verantwortungsgefühl schreiben die Hilfeleistung im Falle
eines Unfalls vor.
Damit Sie
dabei richtig und effizient vorgehen, finden Sie auf den folgenden
Seiten Tipps und Handgriffe, die im Ernstfall Leben retten können. Sie
ersetzen auf gar keinen Fall einen Erste-Hilfe-Kurs, sollten aber bei
den einen die Erinnerung auffrischen und alle anderen animieren, einen
zu besuchen.
Im
gesicherten Skiraum wurde in Österreich seit langem ein hohes Maß an
objektiver Sicherheit geschaffen. Nur ganz selten sind die Verletzungen
bei Skiunfällen lebensgefährlich. Am häufigsten treten
Bänderverletzungen im Kniegelenk und Brüche an Armen oder Beinen auf. Da
im gesicherten Skiraum die professionelle Pistenrettung sehr schnell am
Unfallort sein kann, hat der rasche Hilferuf hier erste Priorität.
Die
folgenden Maßnahmen sind aber trotzdem zu beachten:
·
Absichern der Unfallstelle:
Ski, Stöcke oder Snowboard ca.5Meter oberhalb der Unfallstelle überkreuz
(bei unübersichtlichen Stellen entsprechend weiter oben ) in den Schnee
stecken
·
Wenn unbedingt erforderlich –
schonender Transport des Verletzten an einen sicheren Platz
·
Den Verletzten vor Auskühlung
schützen (Unterlegen und Zudecken mittels Anorak, Pullover, etc.)
·
Stabile und bequeme Lagerung
·
Beruhigen und Beobachten des
Verletzten
·
Rasche Alarmierung der
Pistenrettung per Handy oder bei der nächsten Unfall-Meldestelle (Lift,
Restaurant, Hütte ...)
Der Notruf:
die
wichtigsten Nummern in Österreich:
144
(Rettungsnotruf)
112
(Euro-Notruf)
140
(Alpinnotruf)
WAS
ist geschehen (Sturz, Kollision, Lawinenunfall ...)
WO
liegt der Notfallort
WIE
geht es dem Verletzten (ansprechbar, bewusstlos, schwer verletzt ...)
WER
meldet – nennen Sie Ihre Telefonnummer und bleiben Sie bis zum
Eintreffen der Rettungskräfte erreichbar. Legen Sie außerdem nicht auf,
bevor die Leitstelle alle Informationen hat und das Gespräch beendet!
Sie kann Ihnen auch wichtige Ratschläge zur Versorgung des Verletzten
geben.
Leitschema bei Notfällen

Situationsanalyse
Unfallstelle absichern
Verletzte
aus dem Gefahrenbereich bergen
Verletzte
vor weiterem Abrutschen / Absturz schützen
Bewusstseinskontrolle
Jeder
Kontakt mit einem Kranken oder Verletzten beginnt, indem man ihn
anspricht („Was ist passiert?“, „Wie fühlen Sie sich“ ...). Kommt keine
Reaktion, ist ein Weckreiz zu setzen durch Berührung oder dosierte
Schmerzreize.
Zeigt der
Verletzte weiterhin keinerlei Reaktion, ist er
ohne Bewusstsein. Nach einem
kurzen Hilferuf an weitere Helfer in der unmittelbaren Nähe müssen
sofort die Atemwege freigemacht werden.
Inspektion der Mundhöhle und falls notwendig ausräumen, dann erst
Überstrecken des Kopfes
Atem- und
Kreislaufkontrolle
Atem- und Kreislaufkontrolle
Wange und
Ohr nahe an den Mund des Notfallpatienten halten, dabei die Augen auf
den Brustkorb richten
Die
Pulskontrolle an der Halsschlagader ist unzuverlässig, oft sehr
schwierig durchzuführen und deshalb für den Ersthelfer nicht mehr
empfohlen.
Bewusstlosigkeit
Bewusstlos ist schutzlos!
Jede
Bewusstseinsbeeinträchtigung deutet auf eine ernste Gesundheitsstörung
hin und ist als lebensbedrohlich zu betrachten. Der Betroffene verliert
die Fähigkeit, durch Husten oder Schlucken auf die Verlegung der
Atemwege zu reagieren.
Jeder
Bewusstlose mit erhaltener Atmung ist in die
Stabile Seitenlage zu
bringen. Danach muss sofort der Notarzt alarmiert werden. Der
Bewusstlose darf nie unbeobachtet bleiben. Atem- und Kreislaufzeichen
sind laufend zu kontrollieren!
Stabile
Seitenlage:
Einen Arm
des Bewusstlosen seitlich legen
Gegenüberliegenden Arm und gegenüberliegendes Bein (an der Kniekehle)
zusammenführen und daneben legen
Es
entsteht ein stabiles Dreieck
Den
Bewusstlosen behutsam in die Seitenlage drehen
Kopf
vorsichtig mit dem Mund nach unten überstrecken
Kreislaufstillstand
Sind
weder Atmung noch Kreislaufzeichen vorhanden, liegt ein
Kreislaufstillstand vor. Das bedeutet akute Lebensgefahr!
Notruf
Achtung: Die Initialbeatmung
(bzw. zwei Beatmungsversuche) erfolgen nur noch bei beobachtetem
Kreislaufstillstand:
2x
beatmen (mit der einen Hand die Nase fest verschließen, mit der anderen
das Kinn in überstreckter Position halten, damit die Atemwege frei
bleiben)
erneute
Atem- und Kreislaufkontrolle
Wenn der
Kreislaufstillstand weiter besteht, muss bis zum Eintreffen des
Notarztes eine kombinierte Herzlungenwiederbelebung mit Beatmung und
Herzdruckmassage im Rhythmus 2:30 durchgeführt werden (Frequenz
100/min - 120/min). Der Druckpunkt für die Herzdruckmassage liegt am unteren
Drittel des Brustbeins (Drucktiefe 5-6 cm).
Schock
Beim
Kreislaufschock (kurz: „Schock“) kommt es zum Versagen der Durchblutung
des Körpers und damit der lebenswichtigen Organe.
Kennzeichen: kalte, blasse, schweißbedeckte Haut; schneller, schwacher,
kaum tastbarer Puls; Blutdruckabfall; Bewusstseinsstörung
Maßnahmen:
Schocklagerung: Beine hoch lagern, damit das Blut aus den Beinen zu den
lebenswichtigen Organen geleitet wird! (Ausnahme: herzbedingter Schock,
z.B. Herzinfarkt – Oberkörper hoch lagern)
Erstversorgung bei Brüchen
Ruhigstellung, wenn möglich mit unterstützender Schienung unter
Einschluss der angrenzenden Gelenke. Bei offenen Brüchen sterile
Wundauflage, Blutungen stillen.
Hochlagerung des betroffenen Körperteils
Kühlung –
jedoch ohne Kompression auf die Wunde
Schockbekämpfung
möglichst
rasche Weiterversorgung
Einrichten der gebrochenen Extremität nur im Extremfall:
bei
völliger Fehllage des Körperteils
Pulslosigkeit oder Gefühlsstörung jenseits der Verletzung
drohende
„Durchspießung“ durch das Knochenfragment
Notwendigkeit des Eigentransports oder langer Zeitraum bis weitere Hilfe
eintrifft
Erstversorgung bei offenen Verletzungen
Schonen
und hochlagern
steril
verbinden
Blutzufuhr an Abdruckpunkten vermindern und Druckverband anlegen
Bei
Pfählungsverletzungen den Fremdkörper nicht herausziehen!
Abbinden
nur im Extremfall (etwa bei abgetrennten Gliedmaßen)
rascher,
schonender Abtransport
Schema „P E C H“
Prellungen, Quetschungen, Zerrungen, Überdehnungen, Risse werden nach
dem Schema PECH versorgt.
P - Pause
Unterbrechung der Sportausübung, Ruhigstellung, ggf. unterstützende
Schienung
E – Eis
Kühlung
der betroffenen Körperstelle - nie länger als 30 Minuten am Stück,
Kühlpackung nie direkt auf die Haut auflegen
C –
Compression (Stützverband)
vorsichtige Kompression des Gewebes (sinnvollerweise in Kombination mit
Kühlung) – nach ca. 30 Minuten für 5 Minuten unterbrechen. Bei Verdacht
auf Bruch oder Verrenkung keinen Kompressionsverband anlegen. Auf keinen
Fall bei akuten Verletzungen „tapen“!
H –
Hochlagern
damit die
Schwellung durch den Rückfluss venösen Blutes und Lymphflüssigkeit
zurückgeht